Donnerstag, 5 August 2021
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Eindrucksvoller Online-Dienst für brandheiße Feuerwehrpraxis

Donnerstag, 08. April, 18 Uhr, Henrik Kloppers, Betreuer in der Jugendfeuerwehr Bad Bentheim verschickt per WhatsApp eine Einladung für den anstehenden Online-Dienst an die Mitglieder der Jugendfeuerwehr.

Das Büro im Feuerwehrhaus gleicht der Regie eines Fernsehsenders: Kabel, Webcams, I-Pads, Stative und Notizzettel lassen erahnen, wie aufwendig sich die technische Infrastruktur hinter einem digitalen Dienstabend gestaltet.

„Wir mussten alle Geräte wie I-Pads, Kameras und Zubehör aus der Jugendkasse beschaffen – die Kosten sind nicht zu unterschätzen und liegen im vierstelligen Bereich“, fügt Sebastian Fischer, Jugendwart der Bentheimer Jugendfeuerwehr hinzu.

Fabian Surendorf, Brandschutzerzieher und Betreuer der Jugendlichen, sortiert zahlreiche Utensilien für Experimente, die er den Jugendlichen über den Live-Stream eindrucksvoll vorführen möchte. Schließlich verspricht das Thema des heutigen Dienstabends Aktion: Verbrennen und Löschen. „Die Kinder und Jugendlichen sind durch das aktuelle Home-Schooling ermüdet von monoton-digitalen Sitzungen. Daher betreiben wir bewusst einen großen Aufwand, um den Mitgliedern ernste Themen mit Spannung und Abwechslung zu vermitteln.“ Die Fahrzeughalle wurde hierzu in ein improvisiertes Chemie-Labor umgestaltet.

Fischer und Surendorf begrüßen per Webcam die Jugendlichen und stellen kurz den Inhalt der kommenden Stunde vor.

Umgehend macht sich der Jugendwart mit einem Feuerwehrfahrzeug auf den Weg zu einem der Jugendlichen. „An jedem Dienstabend wird eines unserer Mitglieder von einem Betreuenden zu Hause überrascht. Der Ausbildungsinhalt wird 1-zu-1 vermittelt und das coronakonform“, erklärt Fischer.

Während der Online-Übertragung erfolgt ein ständiger Wechsel zwischen verschieden Übertragungsorten aus dem Feuerwehrhaus. Die Theorie wird an der Tafel im Schulungsraum erklärt, die praktische Demonstration erfolgt in der Fahrzeughalle. „Der Perspektivenwechsel und der Mix aus theoretischen Hintergründen und Experimenten erhält die Aufmerksamkeit der Jugendlichen“, erklärt Kloppers den aufgestellten Regieplan. „Jedes Mal einen anderen Ablauf optimal zu gestalten erfordert Improvisation. Da wird eine Kamera schon mal schnell mit Klebeband fixiert“, lacht er.

Heute beteiligen sich ca. 50 % der 24 Jugendlichen mittels Webcam an der Ausbildung. In Corona-Zeiten sowie Osterferien eine sehr gute Quote. Das Interesse erfreut die drei Betreuer. Die Vor- und Nachbereitung für den 60-minütigen digitalen Dienst erfordert ca. 6 Stunden pro Betreuer.

Während Sebastian Fischer einem Jugendlichen zu Hause praktische Inhalte vorführt und Theorie erklärt, führen die Experimente aus dem Feuerwehrhaus online zu erstaunten faszinierten Gesichtern.

„Ein Metallbrand, bei uns dargestellt mit einem Bündel Wunderkerzen, lässt sich eben nicht einfach mit Wasser löschen. Auch wir, als Feuerwehr, können bei der Brandbekämpfung Fehler begehen und dadurch den Schaden vergrößern. Deshalb ist die frühzeitige Ausbildung in den Jugendfeuerwehren für den anschließenden Dienst in der aktiven Feuerwehr so wichtig“ unterstreicht Surendorf am Experimentiertisch.

Es bleibt ein befremdliches Gefühl, permanent in eine Webcam zu reden, wenn man gewohnt ist, mit den Jugendlichen praktisch am Feuerwehrhaus zu üben, sind sich Kloppers und Surendorf einig. „Die Interaktionen und die Atmosphäre sind nicht zu vergleichen.“

Nach 45 Minuten hat Sebastian Fischer seinen „Hausbesuch“ beendet. In der Fahrzeughalle wird als finales Negativ-Beispiel eine kleine Fettexplosion dargestellt.  Die Vorführung verfehlt ihre Wirkung nicht – die Teilnehmenden sind beeindruckt. Das Lernziel: Einen Fettbrand niemals mit Wasser zu löschen, ist erreicht.

Die drei Betreuer verabschieden sich von ihren Jugendlichen mit einem Wink in die Tablet-PCs und Webcams.

Wenngleich alle mit der Durchführung des Dienstabends zufrieden sind, besteht Einigkeit darüber, dass der Wunsch nach Normalität in der Jugendarbeit, persönlicher Kontakt zu den Mitgliedern und Spaß innerhalb von Gruppenaktivitäten immer stärker wird. Fischer unterstreicht: „Die Betreuer und Jugendlichen befinden sich in Warteposition, endlich wieder Vollgas geben zu dürfen – sie brennen halt für ihr Hobby, die Feuerwehr.“


Foto: Text: Fabian Surendorf, Fotos: Oliver Loh